Ökologischer Gewässerausbau des Herschbaches

Aufwertung des Herschbachtales in Schönbach

„Wir haben in den vergangenen Jahren, sei es zur Schaffung von Wohnraum, Gewerbefläche oder Nahversorgung viel an Flächen verbaut und versiegelt, umso wichtiger ist es, dafür ausreichend und naturbelassene Ausgleichsflächen zu schaffen“, freute sich Hollenbachs Bürgermeister Xaver Ziegler beim offiziellen Abschluss der umfangreichen Maßnahmen zum ökologischen Gewässerausbau entlang des Herschbaches im Hollenbacher Ortsteil Schönbach. Zur abschließenden Bestandsaufnahme fanden sich alle Hauptbeteiligten am Herschbachtal, nordwestlich von Hollenbach ein, um das riesige Öko-Areal nach der erfolgreichen Renaturierung zu besichtigen. Neben dem Bürgermeister waren Landschaftsarchitekt Stephan Fritz vom Büro für Landschaftsarchitektur „stadt land fritz“, Geschäftsführer Ralf Westphal von der ausführenden Firma Josef Saule GmbH Augsburg, Patrizia Ernst vom Wasserwirtschaftsamt Donauwörth sowie Naturschutzwächter Gerd Bangert als Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Aichach-Friedberg anwesend. Um es vorweg zu nehmen, alle konnten stolz sein über das Ergebnis, die perfekt durchgeplante und optimal umgesetzte Wiederherstellung von naturnahem Lebensraum aus nur mehr bedingt nutzbarer Bodenfläche ist großartig gelungen. In den 60iger Jahren wurde das Herschbachtal drainiert und der eigentliche Bachlauf verrohrt. Allerdings konnte die beabsichtigte Trockenlegung zur besseren landwirtschaftlichen Nutzung nie ganz erreicht werden, da nur knapp unter der Vegetationsfläche tonige, wasserundurchlässige Böden für Stauwasser sorgten. Somit eigneten sich die Flächen ideal zur Renaturierung mit dem Ziel, für die Gemeinde Hollenbach neue Ökokontoflächen für laufende und spätere Bauprojekte anzulegen. „Naturmaßnahmen von solchem Ausmaß sind heutzutage sehr selten“, begründete Patrizia Ernst die schnelle und unkomplizierte Förderzusage seitens des Wasserwirtschaftsamtes als Bewilligungsstelle. 61.000 € steuerte der Freistaat Bayern für das etwa 81.000 € teure Vorzeigeobjekt bei, also 75 % der Gesamtkosten. Wer sich die Mühe macht und einen Abstecher zum knapp 48.000 m² umfassende Naturgelände, das am besten über den Schönbacher Rosenweg zu erreichen ist, unternimmt, wird erstaunt darüber sein, wie weit die Entwicklung der heimischen Flora und Fauna an dieser Stelle bereits vorangeschritten ist. Und das, obwohl die Arbeiten erst im Frühjahr nach sechswöchiger Bauzeit abgeschlossen worden sind und der Anwuchs noch längst nicht ausgereift ist. „Wir sind initiativ tätig, den Rest macht die Natur“, erzählt Ralf Westphal von der Fa. Saule zufrieden. Für den Einstieg in das Projekt sorgte vor knapp fünf Jahren Bürgermeister Ziegler, indem er namens der Gemeinde Hollenbach erfolgreiche Grundstücksverhandlungen führte und so die notwendigen Flächen erwarb. Es folgte in Abstimmung mit dem Landratsamt Aichach-Friedberg und dem Wasserwirtschaftsamt Donauwörth 2017 die Genehmigungsplanung und schließlich im März 2018 die Genehmigung des ökologischen Gewässerausbaues und der Ökokontoflächen sowie die Bewilligung von Fördermitteln durch das Wasserwirtschaftsamt. Im April dieses Jahres legte die Firma Saule schließlich los mit den umfangreichen Arbeiten. Zunächst galt es den verrohrten 1,2 Kilometer langen Herschbach offenzulegen, auf rund 700 Metern ein natürliches Bachbett zu schaffen um die Abflussgeschwindigkeit zu mindern, zahlreiche Drainagen und Schächte zu schließen, heimische Kräuter und Gräser anzusäen und verschiedene Wiesen in unterschiedlichen Lagen zu entwickeln (Feuchtwiesen, magere Wiesen, Fettwiesen und Biotope). Dadurch entstanden neue Lebensräume für unterschiedliche Tierarten wie Molche, Frösche, Libellen, Insekten und sogar Rebhühner und Fassane. Um Eingriffe in den Untergrund zu minimieren, wurden die meisten Rohrleitungen und Drainagen nicht entfernt sondern verschlossen. Laut Gerd Bangert soll im kommenden Jahr, wenn der Anwuchs weitgehend sein Endstadion erreicht hat, durch die Untere Naturschutzbehörde eine offizielle Abnahme erfolgen, womit die letzte Hürde zur anerkannten Ökofläche und Freigabe der Ökopunkte genommen ist. Spaziergänger und Naturbeobachter können sich aber schon jetzt vom ausgesprochen hochwertigen Naturflecken überzeugen.

 

 

 

 

 

Von links: Ralf Westphal (Firma Saule), Patrizia Ernst (Wasserwirtschaftsamt), Bürgermeister Xaver Ziegler, Gerd Bangert (LRA/Untere Naturschutzbehörde), Stephan Fritz (Landschaftsarchitekt und Planer der Maßnahme)
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